Neben dem naturschutzfachlichen Wert kommt den Westwallanlagen vor allem aus der Sicht des Denkmalschutzes und der politischen Bildung eine herausragende Bedeutung als Zeitzeugnissen der jüngeren deutschen Geschichte zu.
Die Ruinen des Westwalls sind heute als Hinterlassenschaften nationalsozialistischer Politik entweder im öffentlichen Bewusstsein wenig präsent oder werden bisweilen immer noch als ungeliebte Zeugnisse einer dem Vergessen anheim zu gebenden Vergangenheit betrachtet. Letzteres im Unterschied zu anderen repräsentativen baulichen Gesamtanlagen dieser Zeit, so etwa dem Reichsparteitagsgelände in Nürnberg, und trotz der Tatsache, dass der Westwall mit seinen rund 630 km Länge im Herbst 1939 die größte europäische Baustelle war und damit in besonderer Weise geeignet ist, u.a. den Größenwahn des Dritten Reiches und den damaligen Widerspruch zwischen Propaganda und Wirklichkeit zu veranschaulichen.
Doch kann eine derartige Verhaltensweise das Geschehene nicht ungeschehen machen und sollten durch möglichst umfassenden Erhalt des Westwalls die nachvollziehbare Erinnerung daran und die sich daraus ergebende Mahnung in einer demokratischen Gesellschaft als Selbstverständlichkeit wie Selbstverpflichtung begriffen werden.
Vor allem durch das Anliegen des Bundes, für eine ausreichende Verkehrssicherheit der Westwallanlagen zu sorgen, wurde in der Vergangenheit der Denkmalbestand erheblich reduziert.
Im Jahr 1979 kam es erstmals zur Unterschutzstellung einiger Bauwerke des Westwalls, um ihn als „Symbol für die politische Lage in Europa vor vierzig Jahren, eine Landwehranlage des 20. Jahrhunderts und Anti-Kriegs-Denkmal“ zu erhalten.
Erst im Jahr 2004 wurde der Abriss von Bunkern im Lande Rheinland-Pfalz aus Gründen der Verkehrssicherheit durch einen Runderlass gestoppt.
In Rheinland-Pfalz wurde der Westwall im Zuge der Novellierung des Denkmalschutzgesetzes (26.11.2008) als Kulturdenkmal (nach §3 [1] 1a u. 2 DSchG), d.h. bauliche Gesamtanlage (§5 [1] 1 i.V.m. [2] DSchG; in §5 [2] sind ausdrücklich Stadt- und Landwehren aufgeführt), unter Schutz gestellt und in die Denkmalliste aufgenommen.
Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Westwall und Luftverteidigungszone West
Allerdings bedeutet dies nicht automatisch den endgültigen Erhalt aller wichtigen Bunker, Stollen und sonstiger Westwallbauten, sondern ist im Einzelfall und im Kontext mit seinem damaligen wie heutigen Umfeld und seiner jeweiligen Bedeutung bei Konflikten mit anderen öffentlichen Belangen (z.B. Bauvorhaben) die Erhaltungsfähigkeit zu prüfen: Dies wiederum setzt die möglichst sorgfältige und flächendeckende Erfassung der noch vorhandenen Westwallanlagen, deren Analyse und Bewertung unter Berücksichtigung ihres Erhaltungszustandes voraus, parallel dazu aber auch eine das vorhandene Bewusstsein fördernde Öffentlichkeitsarbeit.
Kommende Generationen sollten den Westwall nicht nur aus Büchern und Berichten oder in einigen wenigen museal dokumentierten Resten kennen lernen. In seiner einstigen Bedeutung annähernd erfassen und begreifen können sie ihn lediglich als heute überwiegend in Ruinenform erhaltenes und in seiner tatsächlichen Ausdehnung mit der umgebenden Landschaft verbundenes authentisches Zeitzeugnis.